Beelitz Heilstätten – Führung durch den Lost Place mit Gruselcharme (Teil II)

Unsere siebenstündige Beelitz Heilstätten Führung führte uns nach dem Whitney Houston Haus (in Teil I könnt ihr mehr darüber lesen) in den Bereich des Männersanatoriums. Drei Gebäude galt es dort zu erkunden: das Badehaus, das Verwaltungsgebäude und der Pavillon.

Wer das riesige Areal einmal betreten hat, kann sich des einzigartigen Charmes dieser Gebäude kaum entziehen. Die sehr gut erhaltenen Villeroy & Boch Fliesen in der riesigen Badehalle, in deren Mitte ein Kneippbecken steht und zugegeben fast ein wenig verloren im opulenten Kuppelraum wirkt. Die ewig langen Flure, die bei Dunkelheit mehr als gruselig wirken und schon als Kulisse für zahlreiche Filmproduktionen dienten – “A Cure for Wellness”, “Operation Walküre”, “Der Pianist” sowie der neueste Streifen “Heilstätten” machten Beelitz immer wieder zum Hot Spot für Urbexer (Was ist Urbex? Hier erfahrt ihr mehr), Gruselfans und Anhänger des Morbiden. Kein Wunder, dass die Beelitzer Heilstätten so beliebt für Führungen sind. 

 

Beelitz Heilstätten Führung: Verfallene Waschräume
Diese Waschräume wurden offensichtlich schon länger nicht mehr genutzt

Lungenheilstätten mit Zweckentfremdung

Beelitz, erbaut 1898 und ursprünglich Vorzeige-Klinik zur Bekämpfung von Tuberkulose, wandelte sich mit dem zweiten Weltkrieg zu einem riesigen Lazarett zur Versorgung Verletzter. Nach dem Krieg fiel das Areal in die Hände der Sowjetischen Armee und wurde bis 1994 aktiv genutzt.

Eingangshalle Pavillon Beelitz Heilstätten Führung
Fast einladend wirkt die Eingangshalle – zumindest erhascht man hier noch einen Hauch des damaligen Prunks

Seitdem sind die Beelitzer Heilstätten größtenteils dem Verfall preisgegeben. Einige Gebäude werden zu medizinischen Zwecken weiterhin genutzt, andere wurden saniert und zu Wohnraum gemacht. Doch die meisten Gebäude wirken aufgrund ihrer Leere geradezu anziehend auf viele Zielgruppen.

Dachboden in den Heilstätten Beelitz
Fast schon charmant wirkte der Dachboden in den Heilstätten mit dem effektvollen Gegenlicht

Männersanatorium und Badehaus in Beelitz

Wie schon erwähnt dienten die verlassenen Gebäude um Beelitz schon für viele Filme als Kulisse. Im Männersanatorium wurde dafür extra ein Flurbereich saniert und zur Kulisse modernisiert. Eine Sperrholztür, frisch gestrichene Wände und verdächtig saubere Böden zeugen von dem Drehort und wirken sprichwörtlich in das Gebäude hereinmontiert. Doch auch die mit Staub bedeckten Böden bieten attraktive Motive. Hier kann man tatsächlich die Zeit vergessen.

Badehalle Beelitz Heilstätten Führung
In der opulenten Badehalle mit Kneippbecken fanden schon einige Dreharbeiten statt

Vandalismus und Verfall zeichnen eigene Bilder in den Heilstätten

Traurigerweise sind blinde Zerstörungswut und Raffgier nicht weit, wenn ein Gebäude zerfällt. So auch hier. Eingeworfene Fenster und entwendete Regenrinnen sind ein häufiger Anblick. Zum Schutz wurden die Fenster zumeist mit Sperrholz vernagelt. So zeigt sich besonders in den unteren Etagen eine schaurig schöne Szene des Zwielichts. Das wirkt mit hereinfallender Sonne und aufgewirbeltem Staub surreal – das Fotografenherz schlägt in diesen Momenten höher.  

Beelitz Heilstätten Führung: staubiger Raum mit großen Fenstern in Beelitz
Staub, Vandalismus und Verfall prägen ein ganz besonderes Bild in den Heilstätten

Wenn man die Möglichkeit hat, alleine in diesen langen Fluren zu stehen und den Auslöser glühen zu lassen, bieten sich unzählige Motive. Wie auch schon im Whitney Houston Haus sind auch in den anderen Gebäuden atemberaubende Räume zu finden. Teils eingestürzte Dächer und hereinlaufendes Wasser erzeugen Grünspan und Moos. So findet man mitten im Gebäude einen grünen Raum. Apokalyptische Stimmung inklusive.

Tipp: Wenn ihr mit Go2know eine Tour dort bucht, schließt euch zu Beginn, wenn möglich, der kleineren Gruppe an. Wir waren zuerst im Whitney Houston Haus und sind dann auf das Hauptareal gewechselt. So hatten wir zahlreiche Gebäudekomplexe für uns allein. Niemand also vor der Linse – und der weitere Vorteil: Wir nutzten die nun perfekt stehende Sonne für einige atemberaubende Aufnahmen.

Tipp 2: Unter den Gebäuden verläuft ein Tunnelsystem. Dieses wird auf vielen Touren auch als kleine Beelitz Heilstätten Führung on top vom Tourguide angeboten. Nehmt diese Erfahrung mit – oder nutzt die Gelegenheit von annähernd leeren Gebäuden zu profitieren. Dann nämlich hat man wirklich Ruhe 😉

Was haben wir von der Beelitz Heilstätten Führung mitgenommen?

Natürlich haben wir nichts Materielles mitgenommen – wir halten uns  ja an den Urbex Kodex. Aber wir haben einen sehr interessanten Tag verbracht, etwa 1200 Fotos geschossen und etliche Kilometer zurückgelegt. Wir waren froh, dass wir einige Schokoriegel dabei hatten. Zwar gibt es bei diesen Touren eine Base, an der Kaffee und etwas zu Knabbern bereit steht, aber das nützt niemandem, wenn er in einem ganz anderen Bereich des Areals gerade Hunger bekommt.

Jedenfalls war die Beelitz Heilstätten Führung mit Go2Know eine Erfahrung, die wir jedem ans Herz legen können. Zwar ist es etwas ärgerlich, dass man nicht vollständig ungestört ist, aber mit gegenseitiger Rücksicht und etwas Bedacht hat man ausreichend Zeit, um die Heilstätten Beelitz zu erkunden. Man erhält praktischerweise noch einen Lageplan der Gebäude und Fototipps, z.B. der Operationsstuhl, das Piano oder die Badehalle. So kann man seine Tour selbst gestalten und sich frei bewegen.

Tipp 3: Im großen Männersanatorium stehen einige Flaschen Alkohol auf dem Dachboden. Beim richtigen Licht kann man diese beeindruckend in Szene setzen. Auch das einfallende Licht am frühen Nachmittag bietet atemberaubende Spielereien, die man für Gegenlichtaufnahmen nutzen kann.

Welche Ausrüstung sollte man bei der Beelitz Heilstätten Führung dabei haben?

Wir hatten tatsächlich unseren ganzen Objektivpark dabei. Jedoch am häufigsten waren das Sigma 10-20 und das Sigma 18-50, 2.8 im Einsatz. Dazu nutzten wir das 50mm und das 85mm für Detailaufnahmen mit einem Unschärfeverlauf. Aber aufgrund der langen Flure raten wir dazu im Weitwinkelbereich zu bleiben. Zwar hatten wir das 70-200 auch im Rucksack – aber das Objektiv wurde einmal ausgepackt, um eine Skulptur außerhalb eines Gebäudes einzufangen. Zum anderen ist natürlich die Gefahr des Verwackelns nicht so groß bei kleiner Brennweite und schlechteren Lichtverhältnissen.

Was sicherlich dienlich ist, ist ein Stativ. Es sollte nicht zu schwer sein, so dass man es den ganzen Tag mit sich herum schleppen kann – wir nutzen dieses hier*. Häufig sind die Böden sehr staubig, ein Ablegen der Ausrüstung bietet sich da weniger an. Wie ich schon schrieb, sind die Fenster in einigen Bereichen mit Holzplatten versperrt. Dunkle Treppenhäuser und Räume lassen sich mit dem Stativ besser einfangen. Ein Funkauslöser passt meist auch noch in den Rucksack.

Auch Beelitz hat ein Ende

Abschließend lässt sich sagen, dass auch ich mich dem Charme dieses Areals nicht verschließen konnte und der kleine Traum einmal dort gewesen zu sein nun endlich erfüllt wurde. Zum Glück – denn das Whitney Houston Haus ist ab April aufgrund Sanierungsmaßnahmen nicht mehr begehbar. Wenn ihr also selbst mal diese einzigartige Location entdecken wollt – beeilt euch. Wer weiß, wie lange dieser berühmte Lost Place noch existiert. 

 

 

Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Provision-Links. Wenn du auf so einen Verweislink klickst und über diesen Link einkaufst, bekommen wir durch deinen Einkauf eine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht, jedoch unterstützt du uns dabei, dieses Projekt weiter voranzutreiben, um unsere Erfahrungen auch in Zukunft hier zu teilen. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.