Heilstätten Beelitz – die stille Schöne (Teil I)

Die berüchtigten Lungensanatorien in Beelitz sind schon längst kein Geheimtipp mehr unter Urbexern. Seit Jahren schon faszinieren mich die Heilstätten Beelitz. Das riesige Gelände mit opulenten Gebäuden, ewig langen Fluren und mystischen Lichtspielereien haben mich schon vom ersten Anblick an in ihren Bann gezogen. Die Sehnsucht war groß – klein war bis vor kurzem die Möglichkeit gewesen, dort mal mit der Kamera auf Erkundungstour zu gehen.

Umso gespannter war ich darum, dass wir eine Tour nach Berlin planten und in genau diesem Zeitraum eine Fototour durch die ehemaligen Lungenheilstätten angeboten wurde. Endlich würden wir dieses Sanatorium in seinem morbiden und gleichzeitig wunderschönen Verfall live sehen dürfen…

Der Hüter der Lost Places

Anbieter dieser einzigartigen Touren ist go2know. Die Agentur organisiert diverse Fotowalks in Lost Places im Berliner Raum und sorgt dafür, dass die opulenten Gebäude nicht dem Vandalismus preisgegeben werden (ich werde nie verstehen, warum man fremdes Eigentum demoliert…). Die Gebäude der Beelitzer Heilstätten werden nach jeder Tour verschlossen und regelmäßig kontrolliert, so dass Urbex im Alleingang gar nicht möglich ist.

Vorteile:

  • Man erfährt recht bequem etwas über die Geschichte der Gebäude
  • die fotografischen Hotspots sind schon dokumentiert und werden vor Beginn der Tour kommuniziert
  • es gibt eine Toilette und Verpflegung; man kann sich mit Gleichgesinnten austauschen.
  • man erhält einen tollen Lost Place und kann die ersten Urbex-Erfahrungen sammeln

Nachteile:

  • Man ist nicht allein, so dass man sich auch mal gegenseitig im Motiv steht (an dieser Stelle Grüße an den Herren in der roten Jacke, der uns gefühlt 2 Stunden gekostet hat, weil er omnipräsent in jedem Gebäude war)
  • die fotografischen Hotspots sind schon dokumentiert und werden vor Beginn der Tour kommuniziert. Selbst auf Erkundungstour gehen und „Neues“ erforschen ist hier fehl am Platz. 
  • die Tour ist zeitlich begrenzt, so dass man auf die Uhr schauen muss, um „alles“ zu entdecken – die besten Lichtverhältnisse kann man so teilweise nur zufällig nutzen.

Die Heilstätten Beelitz – Alles beginnt im Whitney Houston Haus

Wir buchten die 7-Stunden-Tour, wollten wir doch alle Gebäude erkunden, die noch als Lost Place gelten. Einige der Gebäude sind mittlerweile saniert und dienen als Wohn- oder Bürogebäude. Wir starteten am Bahnhof Beelitz mit etwa 30 Leuten und teilten uns in zwei Gruppen. Unsere Gruppe startete im Whitney Houston Haus im Norden des Geländes. Benannt wurde das Haus als Hommage an die Sängerin von den Kunststudenten, die im Gebäude einige Spuren hinterlassen haben.

langer Flur in Beelitz mit künstlerisch gestalteten Wänden
Kunstvolle Wände verleihen den langen Fluren in Beelitz ein mystisches Bild

Moorbäder, offene Wandelhallen, Liegehallen und lange Flure prägen das Bild dieses riesigen Gebäudekomplexes. Das Gebäude ist Begleitet werden die kunstvollen Teppenaufgänge und ellenlange Flure durch pittoreske Wandmalereien. Diese verleihen der ganzen Location etwas Magisches und Surreales. Natürlich bieten sie auch unzählige atemberaubende Fotomotive. Einer der Tourguides erzählte uns, dass die Bauweise der ewig langen Flure und offenen Hallenbereiche sehr durchdacht war und dazu diente, den Lungenkranken die Genesung zu erleichtern. Binnen zwei Stunden konnte nämlich das gesamte Gebäude mit frischer Waldluft versorgt werden, so dass stets eine gewisse Luftfeuchtigkeit und Frischluft vorhanden waren.

langer Flur mit Fensterfront in Beelitz
Lange Flure und zarte Warm-Kalt-Kontraste bilden eine mystische Location

Urban Exploring auf dem Silbertablett

Es gibt nur wenige Plätzchen in diesem Gebäude, die sich nicht als Fotomotiv vor die Linse drängen. Ob Detailaufnahmen von abblätternder Wandfarbe, Grünspan auf Fußböden, halboffene Fensterläden oder dem Sonnenlicht, das verwitternde Möbel in eine schaurig-schöne Szenerie verwandeln – hier schlägt das Fotografenherz höher.

Terrassentür mit staubigem Boden in Beelitz
Selbst eine halboffene Terrassentür ist in Beelitz ein willkommenes Motiv

Fotomotive, wohin die Linse reicht

7 Stunden reichen freilich nicht aus, um die ganze Pracht und den kunstvollen Verfall zu dokumentieren. Da ist der berühmte Flügel direkt am Eingang des Gebäudes. Je nach Lichteinfall wirkt der Flügel morbide-verlassen oder sogar einladend-gemütlich – so als würde er nur darauf warten, dass jemand die weiten Flure mit Musik beschallt.

Flügel im Lost Place Whitney Houston Haus in den Heilstätten Beelitz
Der berühmte Flügel im Whitney Houston Haus – tausende Male abgelichtet, aber immer ein Motiv wert
Pinkes Sofa beim Flügel im Whitney Houston Haus in Beelitz
Das Sofa ist für den Urbexer schon bereit gestellt

Das Moorbad im Whitney Houston Haus ist gar nicht so einfach zu finden und man muss sich schon ins Dunkle wagen, um zu diesem Raum zu gelangen. Mit der richtigen Ausrüstung fällt es schon einfacher, solch einen Ort richtig zu erkunden.

Moorbad im Whitney Houston Haus in den Beelitzer Heilstätten
Das Moorbad wirkt surreal – nicht zuletzt wegen der kyrillischen Beschriftung der Becken

Ihr wollt mehr von den Heilstätten Beelitz lesen und sehen? Der zweite Teil folgt bald!

Die Fotos hier können nicht die volle Schönheit dieses magischen Ortes wiedergeben. Wollt ihr euch noch intensiver mit den Heilstätten Beelitz und ihrer Geschichte befassen? Hier* und hier* findet ihr weitere Informationen zu den Lungensanatorien.

Wenn ihr euch detailliert mit dem Motiv Beelitz befassen wollt, findet ihr hier* ein atemberaubendes Puzzle der Eingangshalle.

 

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