Nachhaltigkeit – mit diesen 3 Maßnahmen lebst du besser und glücklicher

Auch wenn die Initialzündung dieses Beitrags über Nachhaltigkeit im 5. Juni, dem Weltumwelttag, begründet liegt, ist dieses Thema eine Herzensangelegenheit. Eine Herzensangelegenheit, die mich sprichwörtlich seit den Kinderschuhen begleitet. 

Damals sah ich einen Seevogel, stranguliert von einem Plastikträger für Getränkedosen. Ich sah Müll, der aus Autoscheiben geworfen wurde und in der Böschung am Straßenrand lag. Damals begriff ich nicht, wie man einfach seine Umwelt ignorieren seinen Müll fallen lassen kann. Ich fühlte mich wütend und machtlos. Ich bin kein Gutmensch – keine Frage. Aber wenn jeder mitmacht, dann bewegt sich etwas. Es wird  Zeit nachhaltig zu leben. Doch was genau bedeutet das? Und wie kompliziert ist es eigentlich?

Definition Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit leben = Einweg durch Mehrweg ersetzen
Nachhaltigkeit zelebrieren = Verzicht
Mit Nachhaltigkeit punkten = Kapitalismus unterbrechen
Zu guter Letzt: Nachhaltigkeit = Lebe glücklich und bewusst

Definition: Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit lässt sich ganz gut an einem Beispiel erklären: Stell dir vor, du hast ein Girokonto mit Betrag X zur Verfügung. Du musst mit diesem Betrag haushalten – kommst du damit nicht aus, rutscht du ins Minus und zahlst die Quittung.

  • Betrag X = alle Ressourcen der Erde
  • Haushalten = diese Ressourcen nutzen
  • nicht ins Minus rutschen = nachhaltig handeln
  • Die Quittung zahlen, wenn man mit Betrag X nicht zurecht kommt = Wie drücke ich das nun aus? … wir haben keine zweite Welt im Keller. Und wenn diese kaputt und leergeschöpft ist – die Konsequenzen kann man sich vielleicht ausmalen.

Nachhaltigkeit bedeutet also nicht mehr zu nutzen, als zur Verfügung steht oder zukünftig zur Verfügung stehen kann. Es darf nicht mehr verbraucht werden, als produziert, nachwachsen oder anderweitig wieder bereitgestellt werden kann. Damit ist eigentlich klar, was unsere Aufgabe in diesem Nachhaltigkeitsding ist. Also sollten wir als Eremiten und Selbstversorger in den Harz abwandern? Nein – keine Angst, es geht auch kollektiv.

Nachhaltigkeit leben = Einweg durch Mehrweg ersetzen

Es gibt mehrere Möglichkeiten und Ebenen, auf denen man nachhaltig agieren kann. Zahlreiche Sachen können einfach weggelassen werden. Doch wie balanciert man seine Einkäufe nach hause? Hier ist klar: Es muss adäquater Ersatz her.

Baumwollbeutel statt Plastiktüten

Es ging ein Ruck durch die Nation – Plastikstüten werden zum Glück immer weniger. Aber da geht noch was. Wer seine Bananen, Gurken oder Paprika in Plastiktüten stopft, der hat es noch nicht verstanden, denn die meisten Gemüse- und Obstsorten lassen sich ohne Blessuren auch im Einkaufskorb oder Jutebeutel transportieren. Mittlerweile gibt es in Rewe-Filialen sogar schon Papiertüten in der Gemüse- und Obstabteilung. Doch am nachhaltigsten sind Stoffbeutel: halten ewig und reißen bei Regen nicht.

Ein radikales, wenn auch einzigartiges und löbliches Beispiel liefert hier das Land Ruanda. Da sind Plastiktüten seit einiger Zeit unter Strafe verboten. Man mag es kaum glauben – aber es funktioniert. Also: Kein Grund mit einer Panikattacke in der Zimmerecke zu sitzen, weil Plastiktüten verboten sind.

Espresso-Maschine oder French-Coffee-Maker statt Kapsel-Monster

Mag sein, dass du die 26 unterschiedlichen Kaffee-Varianten unbedingt brauchst, weil Clooney dafür wirbt. In Anbetracht der Tatsache, dass jeder Brühvorgang mindestens eine Kaffeekapsel in den Müllkreislauf bringt, bleibt uns der Volluto jedoch im Halse stecken. What else? Ganz einfach: Back to the roots mit einem Espressokocher* oder einem French-Coffee-Maker*. Hier wird nicht mal ein Kaffeefilter wie bei einer klassischen Kaffeemaschine verbraucht. Übrig bleibt nur Kaffeesatz – den man sehr gut wiederverwerten kann. Wer nicht auf Latte Macchiato verzichten kann, der kann seinen Kaffee noch Milchschschaum aus einem antihaftbeschichteten Milchaufschäumer* upgraden.

Wahlweise kann man auch über die Anschaffung eines Kaffeevollautomaten nachdenken. Dieser mahlt sogar die Bohnen und meist ist ein Milchaufschäumer integriert.

Wiederverwendbare Kaffeebecher statt Einweg-Becher

Was damals als seltsamer Nerd- oder Ökokram verschrien war, erlebte in den letzten Monaten die Emporhebung in den Hipster-Olymp. Und ist noch dazu nachhaltig: Der Coffee-to-Go-Becher – in seiner wiederverwendbaren Form. Es gibt Thermobecher aus Kunststoff, Aluminium, sogar aus Bambus, wie die Becher in verschiedenen Designs von Morgenheld*.

Da kannst du dann deinen eigenen Namen draufschreiben – sogar richtig, auch wenn es zuerst ungewohnt ist. Viele Kaffeeschmieden füllen sogar die eigenen Kaffeebecher wieder auf und helfen damit die Flut der Einwegbecher einzudämmen.

Rocketbook statt Notizbuch

Nicht nur nachhaltig, sondern auch smart: das Rocketbook. Die 32 Seiten des Notizblocks lassen sich ganz einfach wiederverwenden. Je nach Modell werden die Seiten in der Mikrowelle* (JA! Mikrowelle… Fancy, oder?) oder mit einem feuchten Tuch* „gelöscht“ und können immer wieder beschrieben werden. Scannt man die Seiten mit seinem Smartphone, kann man jede Seite in eine selbst anwählbare persönliche Cloud (Dropbox, Google Drive etc.) laden. Das reduziert die Zettelwirtschaft. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Einziger Nachteil: Es sind Spezialstifte notwendig. Aber dafür gibt es ja Läden.

Organisch statt Plastik

Wenn es Strohhalme sein müssen – nutze Papier. Wenn es Verpackungsmaterial sein soll – Verpackungschips aus Maisstärke. Wenn es Wattestäbchen sein müssen – nutze welche aus Bambus. Wenn es Einweg-Teller sein müssen – nutze welche aus Pappe. Oder besser: Laub. Ja. Laub. Das Unternehmen Leaf Republic hat ein Verfahren entwickelt, um aus Laub ziemlich stylische Einweg-Teller zu produzieren. Ähnliche Teller gibt es auch im Design Palmblatt*. Für die meisten Plastik-Produkte gibt es eine ökologisch sinnvolle Alternative. Meist ist diese nicht mal spürbar teurer.

Regional statt global

Ja, es klingt öko. Aber regionale Produkte haben so viele Vorteile. Es ist erfreulich, dass Erdbeeren auch im November zu haben sind. Aber ehrlich – hat schon jemals jemand sagen können: „Hmmm, diese im Treibhaus hochgezogenen Gen-Beeren aus Absurdistan schmecken aber fruchtig. Viel besser als die Beeren, die ich im Sommer selbst auf dem Feld pflücke!“? Hand aufs Herz: Der Wunsch nach wohlschmeckenden, reif-roten Früchten mitten im Winter ist verlockend – verstehen wir. Aaaaaber: Die Erwartung ist immer höher als der tatsächliche Geschmack. Darum: Ruhig mal in der Gegend umschauen, was der Wochenmarkt bereithält und entsprechend der Saison kaufen.

Es gibt zu fast allem eine Mehrweg-Variante

Die genannten Substitute sind nur einige der vielen Produkte, denen man als nachhaltige Alternative den Vorzug geben sollte. Weitere Beispiele: Robuste, mehrfach verwendbare Trinkflaschen aus ungiftigem Plastik oder Glas ersetzen Einweg-Flaschen. Menstruationstassen ersetzen Tampons. Antihaft-Backunterlagen aus Silikon ersetzen Alufolie. Fahrrad ersetzt Auto. Bento-Boxen* ersetzen Frischhaltefolie. Wenn man mit etwas Aufmerksamkeit durch seinen Alltag schlendert, findet man schnell unfassbar viele Produkte, die im Sinne der Nachhaltigkeit ersetzt werden können. Vielleicht mag man am Anfang denken: „Immer so ne Flasche mitschleppen? Näääähh…“ – aber schadet es, das mal zu probieren? Blöd finden kann man es immer noch, wenn es nicht praktikabel ist. Aber man sollte der ganzen Sache eine Chance geben. Und wenn man nach einigen Versuchen merkt „hey, so unkomfortabel ist das gar nicht… und ich spare sogar Geld, wenn ich mein eigenes Getränk dabei habe, statt im Kiosk was zu kaufen“ – dann kann man ja weitermachen. Die meisten Gewohnheiten waren anfangs neu und unbekannt.

Nachhaltigkeit zelebrieren = Verzicht

Ja, Shoppen macht Spaß. Bunter Plastik-Nippes ist klasse! Und überhaupt: Das Geld muss ja irgendwie auf den Kopp gehauen werden. Aber man muss nicht jeden Mist mitmachen. Manchmal bedeutet Verzicht nicht Verlust, sondern vor allem Freiheit, sich mal vom Konsum gelöst zu haben. Manchmal gibt es keine (praktikable) Mehrweg-Variante, manchmal ist etwas einfach unnütz und kann ersatzlos gestrichen werden. Darum sollte man sich für ein verantwortungsvolleres Leben auch manchmal fragen:

Muss das?

Mittlerweile fragen wir uns in vielen Situationen: Muss das? Muss das ausgedruckt werden? Muss das in eine extra Tüte? Muss das Licht gerade an sein? Muss der Fernseher laufen? Natürlich KANN man wie ein gehirnamputiertes Äffchen immer den gleichen Mustern folgen – ist dann aber manchmal scheiße. Man kann stattdessen auch mal hinterfragen, was man eigentlich den lieben langen Tag so konsumiert. Z.B. stellt man sich bei REWE an der Bio-Theke die Frage, warum zur Hölle Bio-Gurken in Plastik eingeschweißt sind. Man hat als Konsument die Wahl. Man sollte also auch mal boykottieren, was total sinnlos ist.

Mal aufs Neueste scheißen

Einfach mal nein zum Konsum sagen. Das 8. – identische – Oberteil in schwarz. Ja, natürlich ist es geil, immer das neueste Smartphone am Start zu haben. Aber man sollte immer im Hinterkopf haben, dass für die Herstellung neuer Smartphones (das gilt für alle Elektrogeräte) viele Rohstoffe notwendig sind, die nicht im Überfluss vorhanden sind (z.B. Seltene Erden, die nur in China abgebaut werden). Der Recycling-Prozess dieser immer komplexer werdenden Geräte gestaltet sich schwierig, weil die einzelnen Komponenten mittels Handarbeit getrennt werden müssen, um wiederverwertet oder fachgerecht entsorgt zu werden. Hausmüll ist btw. keine Option – verwittert ein Smartphone einfach auf Mülldeponien, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass giftige Bestandteile ins Grundwasser sickern und damit Mensch und Umwelt schädigen.

Wer ein neues Smartphone braucht oder haben will, der sollte sich über zwei Themen Gedanken machen. Erstens: Wo entsorge ich mein altes Smartphone? Ist es noch intakt, kann man es doch super Second Hand verkaufen bei z.B. Momox, Amazon oder in Verkaufs-Gruppen in sozialen Medien. Ist das Handy Schrott, bietet die Telekom in Zusammenarbeit mit Teqcycle eine kostenlose Rücknahme an. Man kann sogar seine eigene Kampagne starten und mit den gespendeten Handys und das generierte Geld für wohltätige Projekte spenden. Warum also nicht mal im Büro einen Handy-Spendenmarathon starten (das kann man direkt im Nebeneffekt social-media-wirksam thematisieren…)? Das zweite Thema dreht sich um die Neuanschaffung eines Smartphones. Man sollte zumindest mal einen Blick in Richtung Fairphone riskieren. Modulare Lösungen mit Ersatzteilen zur Heimreparatur und faire Herstellungsbedingungen sind Argumente, mit denen das Fairphone vor den „Großen“ punktet.

Nein zu Produkten mit Schadstoffen

Ja, seidenweiche Haut ist toll. Pfirsichzarte Haut ist ein Traum, der mit Duschpeelings in erreichbare Nähe rückt. Doch viele dieser Peelings enthalten Mikroplastik für den Peelingeffekt. Würdest du so ein Peeling essen wollen? Nein? Nun – Meerestiere auch nicht. Jedoch belastet Mikroplastik die Weltmeere, wenn es durch den Wasserkreislauf in die Ozeane geschwemmt wird. Meeresbewohner nehmen dieses dann zu sich – und der Kreis schließt sich beim Lachsfilet auf dem heimischen Teller. Tatsächlich haben wir schon blaue Kleinpartikel im Lachsfilet gefunden. Also wenn du selbst nicht am Peelingtöpfchen naschen möchtest, erspare dies bitte auch deiner Umwelt. Der BUND bietet eine Liste mit Produkten, um die man einen Bogen machen sollte, zum Download an.

Es gibt zahlreiche Produkte, die mit Schadstoffen belastet sind, z.B. Erdöl oder Konservierungsstoffe in Kosmetik. Und in ziemlich allen Fällen gibt es auch Produkte bzw. Marken, die auf Schadstoffe in ihren Produkten verzichten. Neugierig, ob deine benutzten Produkte dabei sind?  Hier kannst du Produkte auf Inhaltsstoffe prüfen. Wer umschwenken möchte auf nachhaltige Marken: Utopia hat eine Auflistung zusammengestellt mit unbedenklichen Marken.

Mit Nachhaltigkeit punkten = Kapitalismus unterbrechen

Ja, Kapitalismus ist etwas Feines. Globalisierung sei dank bekommt man quasi alles und immer. Dass man im Umkehrschluss auch viel in die Tonne kloppt, was eigentlich noch gut wäre, steht leider auf der anderen Seite der Medaille. Hier lohnt sich ein Umdenken – nicht zuletzt, weil man damit tierisch viel Geld sparen kann!

Flohmarkt und Tauschbörsen

Wir lieben Flohmärkte. Und Second Hand. Nicht nur, weil man dort Schnäppchen machen kann – man unterbricht auch die Konsum- und Wegwerf-Mentalität. Sachen, die man nicht mehr braucht, kann man bei Ebay Kleinanzeigen oder in Second-Hand-Gruppen auf Facebook anbieten. Und diese Quellen funktionieren auch, wenn man selbst etwas kaufen möchte. Second-Hand-Shops wie Ubup machen es vor. Durch etwas Bastelarbeit verwandelt man zahlreiche Produkte, die sonst weggeworfen würden, in einzigartige Schätze. Upcycling nennt man das.

Grün als Alternative

Ein Zeichen für Nachhaltigkeit wird mit Ökostrom gesetzt. Den Stromtarif reflektieren und mal nachschauen, ob der Tarif des Ökostrom-Anbieters günstiger wäre, kostet nichts. Und ein Wechsel macht sich dann nicht nur in der Geldbörse bemerkbar – auch das gute Gewissen erleichtert den Abend mit Netflix.

Wer ein weiteres Statement gegen Kapitalismus und für einen bewussten Umgang mit seiner Umwelt setzen möchte, zieht seine Finanzen zu grünen Banken um. Diese ethischen Banken sind auf nachhaltige Ziele ausgerichtet. Die Unternehmen, in die diese Banken investieren, werden sorgfältig ausgesucht – so wird Lobbyarbeit boykottiert, nachhaltig agierende Unternehmen werden gefördert. Hier findest du eine Liste mit Fair-Banken im Überblick.

Zu guter Letzt: Nachhaltigkeit = Lebe glücklich und bewusst

Erfreue dich am Sonnenuntergang. Spüre den Regen auf der Haut. Atme tief ein und genieße die blütenschwangere Luft im Sommer. Sei aufmerksam und achtsam deiner Umwelt gegenüber. Schätze, was du hast.

Du bist mehr als Konsum. Du bist mehr als eine volle Wohnung mit leeren Inhalten. Du bist mehr als das Smartphone in deinen Händen und der Mocchachino to Go. Du bist verantwortlich für deine Um-Welt.

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