Urbex – was ist das überhaupt?

Die erste Ruine, die ich bewusst wahrnahm – damals, weit vor dem Jahrtausendwechsel -, zog mich schon magisch an. Damals war an eine Spiegelreflexkamera nicht zu denken. Aber die Faszination für das Morbide, für die Natur, die sich Stück für Stück die Zivilisation zurück holt, war seit jeher präsent. Die Neugier, zu erfahren, was sich hinter verlassenen Mauern verbirgt. Und auch der Wunsch, diesen Verfall, diese Art der Symbiose zwischen Urbanem und Ursprünglichem, zu dokumentieren und daraus etwas Kunstvolles zu schaffen, war seit damals stets in meinem Kopf. Damals wusste ich nicht, dass es für diese Neugier auch einen Begriff gibt.

Urban Exploring – Passion für das Morbide

Urbex ist ein Neologismus, kombiniert aus den Begriffen Urban und Exploring bzw. Exploration. Dieser Begriff beschreibt das Erkunden und fotografische Dokumentieren urbaner Räume. Industrieruinen, Katakomben, Bunker und verlassene Gebäude sind Ziel der sogenannten Urbexer. Was früher nur eine kleine Nische war, ist mittlerweile ein Trend unter vielen Fotografen. Sogar Magazine gibt es schon über dieses spannende Metier. Zahlreiche Bücher und Fotobände* zeugen von dem weltweiten Hype um verlassene Orte.

Der Leitsatz für alle, die Urban Exploring betreiben, lautet

Take nothing but pictures. Leave nothing but footprints. Kill nothing but time.

zu deutsch:

Nimm nichts außer Fotos. Hinterlasse nichts außer Fußspuren. Töte nichts außer Zeit.

Nimm nichts außer Fotos. Hinterlasse nichts außer Fußspuren. Tüte nichts außer Zeit.
Der Grundsatz aller echten Urbexer.

Urban Exploring bedeutet Respekt vor Lost Places

Der Grundsatz des Urbexen ist, einen Ort nicht zu beschädigen, ihn genau so zu hinterlassen, wie man ihn vorgefunden hat und nichts von diesem Ort zu entwenden. Das bedeutet auch, dass man sich nicht mit Gewalt Zutritt zu einem Ort verschafft, sondern nach Möglichkeiten sucht, den Ort auf andere Weise zu betreten.

Mit Glück ist eine Tür nicht verriegelt. Oder andere haben vorher schon einen Eingang geschaffen, den man nutzen kann. Leider zieht ein Lost Place oftmals Kabeldiebe und Randalierer an. So werden auch prunkvolle Lost Places ausgeschlachtet und demoliert. Graffitis, aus der Wand geschlagene Kabelschächte, Feuerstellen und eingeschlagene Fenster gehören zum geläufigen Bild, wenn man einen Lost Place erkundet.

Aus diesem Grund sind viele Lost Places streng gehütete Geheimnisse, deren Lokalität in der Urbex-Community nicht der Allgemeinheit preisgegeben wird – nur so kann die Schönheit und Unversehrtheit eines Ortes gewahrt werden. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen: “Offene” Lost Places wie die Heilstätten Beelitz, die sogar für Fototouren gebucht werden können oder das Haus der Offiziere in Wünsdorf.

Warum gibt es überhaupt Urban Exploring?

Es wird eine Mischung aus Abenteuerlust, Interesse an einer Location und ihrer Geschichte sein und – wie in unserem Fall – Spaß daran, solch surreale Orte zu dokumentieren. Oberstes Credo ist für uns, Respekt vor jedem Ort zu wahren und dem Urbex-Leitsatz zu folgen.

Wie findet man einen Lost Place?

Es ist oftmals nicht einfach, einen Lost Place zu finden. Nicht zuletzt darum ist Urbex so spannend. Es erfordert manchmal detektivische Recherchen, um einen Ort zu finden. Kleinste Hinweise in Fotos anderer Urbexer können eine gute Fährte sein. Ist man in einer Community oder in einer Gruppe auf Facebook aktiv oder verfolgt aktiv Urbex-Blogs, kann man Kontakte knüpfen und Locations tauschen, wenn man selbst schon Lost Places “gesammelt” hat. Am wichtigsten ist aber, stets die Augen offen zu halten, wenn man unterwegs ist. Mit Glück findet man in direkter Umgebung einen verlassenen Platz und kann so erste Erfahrungen sammeln. Wir haben beispielsweise schon interessante Lost Places im Harz gefunden. Dort gibt es zahlreiche Orte, die einfach betreten werden können.

Was für Erfahrungen habt ihr bisher mit Lost Places gesammelt? Und warum faszinieren sie euch? Wir freuen uns über Austausch!

Take nothing but pictures. Leave nothing but footprints. Kill nothing but time.
Der ursprüngliche Grundsatz ist englischsprachig.

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