Verlassene Orte in NRW: die psychosomatische Klinik II – ein Erfahrungsbericht

Manche Orte sind einfach zu beeindruckend, um sie nur einmal zu besichtigen. So auch die verlassene psychosomatische Klinik. Verlassene Orte in NRW gibt es zwar zahlreiche – aber eine Klinik, in der sich so beeindruckende Ecken finden, ist nicht unbedingt typisch f√ľr einen Lost Place.

Es ist ein kalter Wintertag. Der angeschmolzene Schnee bildet eine Eisschicht auf dem kleinen Parkplatz. Jeder Schritt knirscht unfassbar laut in der stillen Ein√∂de des Sonntags. Wieder schleichen wir vorbei am Bauzaun¬†(hier k√∂nnt ihr den ersten Teil lesen). Fast schon routiniert und souver√§n schlendern wir √ľber das Gel√§nde. Ziel: Die obere Etage, der Keller und alle Nebengeb√§ude der Klinik.

Tristes Wetter macht verlassene Orte in NRW noch einsamer

Bestimmt w√ľrde diese Klinik nicht so bedrohlich und bedr√ľckend aussehen, wenn die Sonne scheinen w√ľrde. Denn das gro√üe Wandbild am Verwaltungsgeb√§ude, das zwei Kinder unter einem Regenbogen mit Schmetterlingen zeigt, bildet einen fast ‚Silent Hill‘-artigen Kontrast zum Wetter. Zum Gl√ľck lassen wir uns nicht abschrecken und steuern den Keller an.

Der Keller, der sich unter dem ganzen Geb√§ude erstreckt, zeigt regelm√§√üig abzweigende Abteile, R√§ume und hier und dort weitere Nebeng√§nge. Einige R√§ume sind gew√∂lbeartig angelegt. Besonders die halbrunden Fenster verleihen den R√§umen eine altert√ľmliche Anmutung. Der fahle Lichtschein wirft diffuse Kegel in die leeren R√§ume.

Wenn die Natur die Klinik zur√ľck erobert

Nach dem dritten oder vierten leeren Raum rechnet man nicht mehr damit, noch f√ľndig zu werden. Doch nachdem im ersten Raum eine lange Regalwand zu finden war, keimte die Hoffnung auf einen spannenden Fund neu auf. Zumindest war die Klinik nicht komplett leer ger√§umt. Einen Raum weiter hatten sich Efeu-Ranken den Weg durch ein defektes Fenster nach innen gek√§mpft. Auf solche Motive hatten wir gehofft.

Spuren des psychosomatischen Klinik-Alltags werden sichtbar

H√§ufig kam auch die Taschenlampe zum Einsatz. Immer dort, wo kein Fenster dem Raum ein wenig Helligkeit spendete, musste man auf die wirren Lichtkegel der LED-Lampe ausweichen. In einem Raum fanden wir also einige bunte Plastikb√§lle auf dem Boden verteilt, wie man sie eigentlich im B√§llebad findet. Dazu war auf dem T√ľrschild der Spielraum deklariert. Ohne Tageslicht. Die Kinder m√ľssen hier eine gl√ľckliche Zeit verbracht haben. Nicht. Man kann sich vorstellen, dass dieses Bild uns einen kalten Schauer √ľber den R√ľcken laufen lie√ü.

gelbe Ventile im Lost Place in NRW - Psychosomatische Klinik
Das Zwielicht erzeugt eine charmante Gruselstimmung

Nachdem wir den Raum verlassen hatten, widmeten wir uns wieder dem langen, dunklen Flur. Fast hätten wir dem kleinen, nichtssagenden Raum zu unserer Rechten keine Aufmerksamkeit geschenkt Рwenn nicht plötzlich etwas Metallisches den Lichtschein reflektiert hätte. Also war der Raum nicht leer!

Sensationsfund im Lost Place

Da stand – gut versteckt vor Vandalismus und fast auch vor uns – ein OP-Stuhl. Das ergab ein ziemlich gruseliges Bild, denn Der Op-Stuhl stand in einem Mini-R√§umchen. Es wurde uns ein wenig mulmig zumute. Doch nach einem kurzen Moment des Sammelns wurde uns klar: Offenbar muss dieser vorher in einer der oberen Etagen montiert gewesen sein. Nun stand er teilnahmslos im Keller in einer kleinen Nische. Also keine Menschenversuche in der Klinik in der Nachbarschaft. Hoffentlich. Aber wir hatten auch noch nicht alle Geb√§ude erkundet…

Nach diesem Fund gab der Keller nicht mehr viele Motive her. Also steuerten wir das Verwaltungsgeb√§ude an. Dieses war √ľber vier Eing√§nge betretbar, darunter ein lichter Handwerks- und Aufbewahrungsraum, der durch einen verglasten Gang mit dem Geb√§ude verbunden ist. Diesen Weg w√§hlten wir. In dem gro√üen Raum fanden wir zahlreiche Kinder-Fahrradhelme in einem Regal sowie einige Zeugnisse von Handwerkereien und Holzarbeiten. Wir passierten den Gang und fanden und knietief im Bereich Hauswirtschaft wieder. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn in zwei R√§umen waren Tischdecken und Bettw√§sche aus den Regalen gerissen worden und wir standen mitten in akkurat gewalzter und gefalteter W√§sche, die von dreckigen Fu√üabdr√ľcken und Farbspritzern ziemlich verschandelt war.

in diesen verlassene Orte in NRW gab es einen Sonographie Bereich
Wie lange man hier wohl auf einen Ultraschall-Termin wartet?

Was wir wohl noch finden in diesem Lost Place?

Das Verwaltungsgeb√§ude wirkt von au√üen sehr geordnet und √ľberschaubar – aber im Inneren fanden wir heraus, dass das Haus viergeteilt war. Jeder Eingang f√ľhrte zu einem anderen, separaten Bereich. Ein Eingang f√ľhrte zu mehreren Wohnungen, die im 1980er-Stil eingerichtet waren. Ein anderer Eingang war verschlossen und f√ľhrte in eine Art Maschinenraum. Neben dem Eingang, den wir schon erkundet hatten, f√ľhrte ein weiterer in den Teil des Hauses, dessen Dach eingest√ľrzt war. Zwar war uns mulmig zumute, jedoch pr√ľften wir, ob der Teil betretbar ist. Das Dach schien nicht weiter nachzugeben und der Boden war fest. Was wir in diesen R√§umlichkeiten fanden, war ziemlich krass…

Zwei Untersuchungsst√ľhle, davon einer mit Schnallen, standen direkt im ersten Raum, als h√§tten sie auf uns gewartet. Damit h√§tten wir nie im Leben gerechnet. In weiteren R√§umen fanden wir eine Liege sowie Ger√§te f√ľr Lungentests. Besonders pittoresk mutete ein Raum an, in dem der Parkettboden aufgesprungen war und den Eindruck eines riesigen Mikado-Spiels vermittelte.

Parkett in verlassene Orte in NRW
Parkett im Mikado-Style

Leider zerronnen die Stunden wieder zwischen unseren Fingern und wir mussten diese Klinik erneut verlassen aufgrund der Dunkelheit. Neugierig auf mehr? Dann schaut doch in unsere Galerie, dort findet ihr bestimmt interessante Fotos. Wir freuen uns √ľber Kommentare!

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